Was bauen wir - worauf bauen wir

Im Rahmen der Jubiläumsfeiern "1200 Jahr Abtei Münsterschwarzach" nahmen einige Schwestern von uns an einem Tag der Begegnung der benediktinischen Gemeinschaften teil. Beim Festakt am 1. Oktober 2016 beleuchteten vier junge Brüder und Sr. Nadya Ruzhina den Lebensstil der Klöster. Im Folgenden das Statement von Sr. Nadya:

Kurzstatement

Liebe Schwestern und Brüder,

überlegen Sie sich doch bitte: Wie oft haben Sie gebaut oder umgebaut in den letzten Jahren? Und wie viel haben Sie darin investiert?? Eine Menge, oder? Und zwar nicht nur Geld… wahrscheinlich auch viel Zeit, Nerven, Gespräche, Verhandlungen mit Baufirmen usw. – eine Menge Energie!

OSB bedeutet „Oh, sie bauen!“ hat man mir erklärt als ich neu in Deutschland war.

„Oh, sie bauen!“ – unser Lebensstil? Es gehört wohl dazu.

27 Jahre nach der Wende hat die katholische Kirche in meinem Heimatland Bulgarien (und auch in anderen osteuropäischen Ländern) viele Gebäuden gebaut, die damals so dringend gebraucht wurden, die während des Kommunismus heruntergekommen oder nicht vorhanden waren. Jetzt stehen viele dieser Gebäude leer. Wo sind die Menschen?

Erst jetzt merkt man allmählich, dass die Investitionen viel dringender in den Aufbau der Gemeinden hätten fließen sollten; in den Aufbau bzw. der Sensibilisierung und Erziehung einer persönlichen Beziehung eines Christen zu Christus. Denn ohne diese Beziehung und ohne eine Gemeinde, in der man miteinander auf dem Weg ist – braucht man wirklich weder Kirchen, noch Gemeindezentren, noch Klöster. (Ein Bishof hat einmal gesagt: Im Kommunismus war die Kirche „gezwungen“, sich um die Pastoralarbeit zu kümmern, denn es gab nichts anderen. Sie besaß nichts. Deswegen widmete sie sich den Menschen. Jetzt denken meine Priester auch während der Messe wie sie den nächsten Bau-/Renovierungsprojekt abschließen könnten)

Warum erzähle ich Ihnen – Benediktiner und Benediktinerinnen - das?

Ich frage mich, ob es uns OSB’s auch betrifft / betreffen könnte? Ob wir begreifen, worum es geht? Ich frage mich, ob die Investitionen, die wir für den Aufbau unseres monasteriums – und damit meine ich nicht die Gebäude, sondern den Ort, an dem Brüder und/oder Schwestern versuchen, gemeinsam das Evangelium unter Regel und Abt zu leben – ob diese Investitionen ausreichend sind. Ob sie zumindest genau so groß sind, wie die des letzten Bauprojektes, das wir/Sie hatten.

Wie viel Energie ein jeder von uns investiert in persönliches geistliches Leben, wirkt sich auch auf die Gemeinschaft aus – das wissen Sie besser als ich.

Ich frage mich, ob wir begreifen, wie sehr unsere Gesellschaften Christus brauchen? Wie sehr sie hungern? Wie sehr sie Hinweise, Spuren von Gott brauchen? Und angesichts dieser Not frage ich mich: glauben wir noch an das, was wir von Benedikt als Lebensstil vererbt haben? Nämlich, dass eine Gemeinschaft mit all ihren Sonnen- und Schattenseinen ein Ort ist, wo Gott gegenwärtig ist; ein Ort, wo man Gott finden kann. Und zwar nicht, weil wir so toll sind, sondern trotz unserer Schwächen. Nicht, weil wir so toll sind, sondern trotz unserer Schwächen. Weil Gott selbst der eigentliche Träger und Baumeister der Gemeinschaft ist.

Der Heilige Benedikt wollte eine Schule für den Dienst des Herrn errichten. Sie wissen es aus Erfahrung besser als ich – das ist keine leichte Aufgabe. Doch das ist das, was Christus von uns will: einander dienen, eins sein, damit die Welt erkennt. Damit die Welt glaubt. Es ist unsere Be-rufung und unser Auftrag vom Herrn höchst persönlich.

Ich möchte uns allen wünschen, schlau und nachhaltig mit unseren Ressourcen und Investitionen umgehen zu lernen. Die Zukunft der Benediktiner und Benediktinerinnen, kann nicht benediktinischer sein, als wir es leben.

Und vielleicht kann ich die Jesu Worte aus dem heutigen Evangelium so interpretieren: Freut euch nicht, dass ihr große und schöne Klöster, Schulen, Gästehäuser unterhalten könnt! Freut euch viel mehr, dass ich mitten unter euch bin. Im Garten, am Schreibtisch, in der Küche, in der Werkstatt, im Chorgestühl. 

von Sr. Nadya Ruzhina, Novizin der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing

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