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TINISCHES LEBEN |
Warum ich
Missions-Benediktinerin bin |
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Missions- verständnis |
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Was
bedeutet es für mich-
Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein: Im
Versuch, diese Frage zu
beantworten, stieg in mir eine Vor-Frage auf: Was bedeutet für
mich die Zeit,
in der ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Der Ruf Gottes
ergeht ja
an uns in einer bestimmten Zeit, an einem konkreten Ort, in den Wellen
von
geistlichen und politischen Strömungen und unter einflussreichen
Persönlichkeiten. Von
Kind an war ich vom
Missionspapst Pius XI beeindruckt. In der Pfarr- und Schulbibliothek
las ich
alle nur erreichbaren Bücher über Missionserlebnisse. Ein
anderer Faktor war
die Nähe zu Steyl mit seinen Schriften. Jeden Monat erwartete ich
gespannt den
„Jesusknaben“ und später die „Stadt Gottes“. Im nahen Knechtsteden
beeindruckten
mich die Begegnungen mit den dortigen Missionaren und das
Missionsmuseum, sowie
die Kolonialausstellungen in der Kölner Messehalle. So
träumte ich von Afrika
als „meinem“ Missionsland. Das
Leben in der Pfarrei war von der liturgischen Bewegung geprägt.
Sonntags
hielten wir die Kloster Neuburger Messtexte in der Hand und das
lateinische
Vesperbüchlein und werktags den Messschott. Das Hochamt am Sonntag
und die 8
Uhr-Messe am Werktag wurden im gregorianischen Choral gesungen, den wir
auch in
der Schule, bis in die Oberstufe, lernten. Bei einem Besuch mit der
Abiturklasse in Maria Laach erlebte ich dort die feierliche Liturgie am
Fest
Mariä Heimsuchung. Abt Ildefons Herwegen widmete uns mehrere
Stunden. Er
eröffnete uns den Blick – und mit das Herz – für die
benediktinische
Spiritualität. Auf
der Suche nach einer Missionskongregation machte ich Exerzitien in
Steyl,
vermisste dort aber die Liturgie. Von meiner Lehrerin an Tutzing
verwiesen,
weil dort eine frühere Schülerin, unsere Sr. Sigwina Seul,
eingetreten sei,
erlebte ich bei meinem Besuch im Mutterhaus die Professfeier, die hl.
Messe und
das göttliche Offizium. Endlich hatte ich den Zusammenklang beider
Elemente –
Mission und Liturgie – gefunden. Und ich entschloss mich für die
Missions-Benediktinerinnen von Tutzing. Im
Noviziat lernte ich die Regel St. Benedikts kennen und lieben, „die
schönste
Regel“, wie meine Lehrerin gesagt hatte. Und ich kann ihr nur
zustimmen. Im
Leben habe ich immer mehr die Weite und Tiefe, die Christus- und
Lebensnähe der
hl. Regel erfahren. Obwohl
ich nur gut ein Jahr in Tutzing verbrachte, habe ich das
Herz-Jesu-Kloster als
unser Mutterhaus erlebt durch die Liebe und das Verständnis meiner
Obern, vor
allem meiner Magistra Sr. Gertraud Gantert und die feinfühlende
Hilfestellung
unserer Zelatrix Sr. Ingberta Schön, die mir dem Kind einer
Kleinfamilie, die
Eingliederung in die große Noviziats- und Konventgemeinschaft
ermöglichten. Der
Abschied von Tutzing – damals für immer – was schwer. Wie
groß war dei Freude,
nach 21 Jahren wieder die Stufen zur Klosterpforte ersteigen und liebe
Mitschwestern umarmen zu können. Bei jedem Heimaturlaub erlebte
ich wieder neu
die Atmosphäre in der Klausur, um Klostergarten mit der
Herz-Jesu-Statue, in
der Maria-Hilf-Kapelle – meinem Lieblingsort seit der Kandidatur – und
am See.
Ob mich die Maria-Hilf-Kapelle so anzog, weil dort unsere Tutzinger
Wurzeln
liegen, die sich hinabsenken bis St. Ottilien und Reichenbach? So
erkläre ich
es mir im Nachhinein, denn unsere ausführliche Geschichte haben
wir ja erst
seit den 70er Jahren ausführlicher erforscht und schätzen
gelernt. Hier
im Priorat Olinda erlebte ich noch einige Schwestern, die uns lebhaft
und
anschaulich von ihrem Leben in St. Ottilien und den Anfängen in
Tutzing
erzählten. Die ersten kamen 1903 in die Olindamission mit der
Bestimmung für
die Indianermission am Rio Branco, Amazonasgebiet. In der
Auseinandersetzung
mit den Benediktinern im Jahre 1904, die sie der brasilianischen
Benediktinerkongregation als kontemplative Nonnen eingliedern wollten,
hielten
sie unter Opfern an ihrer Identität fest: Sie bleiben
Missions-Benediktinerinnen von Tutzing. Und diese Liebe zu unserer
Identität
haben sie an uns weitergegeben. „Missions-Benediktinerin
von Tutzing sein“ bedeutet für mich heute:
Überall war für mich
die schule mit ihrem Umfeld mein
„Missionsgebiet“: Gymnasium,
Oberstufe, Ausbildung von Volksschullehrerinnen und unsere
Fakultät. Vor allem
war es mir eine Freude von Anfang an Religionsunterricht zu erteilen
und diesen
in Besinnungsstunden und –tagen zu vertiefen. Aber ich wollte auch das
Wort
Gottes gemeinsam mit meinem Schülern an
andere weitergeben. So organisierte ich mit den Jugendlichen
Wochenendtreffen,
zu denen sie verwandte und befreundete junge Leute mitbrachten und
ebenfalls
Einsätze in Favelas und bei den Heimatlosen, die auf der
Straße wohnen.
In den Laien die Verantwortung für das Reich Gottes wecken und fördern und ihnen beim Überlegen und Organisieren helfen, betrachtete ich als meine Aufgabe. So kann die Missions-Benediktinerin versetzt werden, aber das begonnene Werk geht weiter als Frucht der Subsidiarität, wie Benedikt diese für seine Gemeinschaft vorschreibt. Als Beispiel diene das Projekt Sr. Ilduara in Barbalha, Ceará, wo seit 13 Jahren, unter der Leitung von Laien, gefährdete Kinder und Jugendliche in einem Tagesheim handwerkliche Arbeiten erlernen, ihre Schuhlaufgaben machen können, eine kräftige Nahrung erhalten und zur aktiven Teilnahem am Leben der Pfarrei in Liturgie und Katechese angeleitet werden,. Aus diesem von Kindermissionswerk unterstützten Projekt sind schon mehrere Ordens- und Priesterberufe hervorgegangen. Für mich ist die Missions-Benediktinerin von Tutzing auch eine Ordensfrau, die den Geist St. Benedikts in sich aufnimmt. Die Regelkurse von Sr. Aquinata und P. Adalbert de Vogüé brachten immer eine Vertiefung und Bereicherung; ebenso die Treffen auf brasilianischer und lateinamerikanischer Ebene, mit Benediktinerin verschiedenster Herkunft. Immer wurde die Teilnahme und das aktive Mitwirken von mehreren unserer Schwestern aus Olinda gerne gesehen. Ich selbst konnte RB Studienwochen und Exerzitien bei Mönchen und Benediktinerinnen von Amazonas bis hinab nach Süd und Zentralbrasilien halten. Eine andere Möglichkeit als Missions-Benediktinerin zu wirken ist die Begleitung von Laien in geistlichen Bewegungen. Mit ihnen verstehen, was das Echte, das vom Hl. Geist in unserer Zeit zum Aufbau des Reiches Gottes inspiriert ist, und es mit Mut, Treue und Discretio zu leben, betrachte ich auch als eine wichtige Aufgabe heute in Brasilien, da die Brasilianer ein von natur aus religiöses und zur Mystik geneigtes Volk sind. Nicht selten treffen wir Gruppen von Laien, die um des Reiches Gottes willen Beruf und Besitz verlassen, in Gemeinschaft und Armut leben, fren vom Getriebe der Stadt. Dort widmen sie sich dem Gebet, dem Studium der Hl. Schrift, der Handarbeit und Evangelisation der verstreut wohnenden Landbevölkerung. Einer dieser Gruppen durfte ich die Regel St. Benedikts erschließen. Unsere Pionierinnen in Olinda hatten es sich ausdrücklich zur Aufgabe gemacht, sich den Armen, vor allem den Kindern und schwarzen zu widmen. Vorliebe St. Benedikts für die Armen und schwachen. Sie bleibt auch heute für uns Missions-Benediktinerinnen in Brasilien eine Herausforderung: Ihnen helfen, Gemeinschaften zu bilden, ihnen „die Angel zu reichen, damit sie fischen können“ und mit einander teilen, dass sie sich mit einander bessere Lebensbedingungen schaffen. Zum Schluss möchte ich noch an St. Gregors des Grossen Dialoge II, cap XXXI erinnern: St. Benedikt sitzt am Tor des Klosters, das Wort Gottes lesen. Von der Bibel gleiten seine Blicke auf die gefesselten Hände des verfolgten, armen Bauern. Die Fesseln lösen sich. ER fährt fort mit seiner Lesung und lässt dem grausamen Verfolger Zala geweihtes Brot reichen. Gewiss eine Symbol für alles soziale Arbeit der Tutzinger Missions-Benediktinerinnen. Unvergesslich bleibt mir das Wort meiner Magistra: „Die Missionarin muss ein leichtes Köfferchen haben“. Das kann sie zu jeder Zeit in die Hand nehmen, um im Gehorsam dem Ruf Gottes zu folgen, alles hinter sich lassend, und im Vertrauen auf Gott sich froh und ganz dort einsetzen, wo eine neue Aufgabe auf sie wartet. |

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Über 40
Jahre sind es her, dass
ich in Tutzing eingetreten bin und bald feiere ich 40 Jahre Profess. Da
ist die
Frage: was bedeutet es für mich, Missions-Benediktinerin zu sein
wie die Frage
an den Fisch: Was bedeutet das Wasser für Dich? Als ich etwas
nachdachte, bemerkte
ich, dass die Antwort auf diese Frage je nach Lebensfase etwas anders
ist.
Natürlich will ich nicht alle diese Fasen beschreiben, doch der
Anfang scheint
mir wichtig zu sein. Als ich nach
einem Kloster
suchte, sah ich Tutzing eine Möglichkeit das zu leben, was seit
meiner Kindertage
in mir war: In meinem kleinen niederbayrischen Dorf träumte ich
von der weiten
Welt und von fremden Menschen. Ich wollte nützlich sein, helfen,
für andere da
sein. Dazu regte sich in mir mehr und mehr ganz unwiderstehlich die
Frage nach
Gott. Das Elternhaus hatte in mir feste religiöse Grundfeste
gelegt. In der
Jugendgruppe begeisterte ich mich für Bibel und Liturgie. Die
Schule half mit,
mich für das benediktinische Leben zu interessieren. Seit meiner
Entscheidung für
Tutzing sind nun schon 40 Jahre vergangen, wie ich anfangs schon
erwähnte. Was
heißt es heute für mich Missions-Benediktinerin zu sein? Seit 40 Jahren
ist meine
Kongregation meine Familie, in der ich lebe, in der ich herangewachsen
bin, die
mich reich beschenkt hat und der ich mit Freuden diene. Diese Familie
hat mir
geholfen, dass die Welt mir Heimat wurde und dass ich zwar das
Menschsein in
einer konkreten Kultur und in einem konkreten Volk lebe, doch
darüber hinaus
ich mich immer mehr der ganzen Menschheit verbunden und verpflichtet
weiß. Als
Benediktinerin bin ich
in einer alten Tradition verwurzelt, die mir Halt gibt, die aber auch
offen ist
für das „Hier und Jetzt“. Als
Missions-Benediktinerin
bewundere ich unsere Geschichte, die mich lehrt, was es heißt, an
Gottes Fügung
und Vorsorge zu glauben. Ich weiß mich der Kirche, konkret der
Ortskirche
verpflichtet. Ich freue mich an ihr und leide manchmal an ihr. Als
missionarische
Gemeinschaft sind wir Teil der Ortskirche und haben in ihr einen
besonderen
Auftrag: mithelfen und immer wieder aufzeigen, dass die Kirche
universale
Dimensionen hat und Reich Gottes aufleuchten lassen soll. |

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In
der letzten Woche fuhr ich auf einer Schotterstraße im Norden
Namibias,
ungefähr 1000 km entfernt von der Hauptstadt Windhoek. Rechts
schaute ich über
den Grenzfluß Kavango in die Weite Angolas bei glühender
Hitze, links kam
plötzlich das Motto einer Schule in Sicht: Pray
and work hard. Ja, dachte ich, das ist es auch für mich als Missions-Benediktinerin, was mein Leben täglich bestimmt: beides zugleich, täglich, mit Engagement und dem ganzen Herzen: Gebet und Arbeit, ora et labora. Und
dann mein weiteres Lebensprogramm. Es wurde mir vor 40 Jahren mit
meinem
Ordensnamen in Bernried gegeben: Rapha-el.
Das heißt: Gott heilt. Immer mehr ging mir auf, daß Gott
zuerst mich heilen muß
und dann durch mich andere heilen möchte. Und das Heilen wurde
immer
umfassender verstanden. Kürzlich
sagte mir eine kirchliche Persönlichkeit hier: „Sie sind ein Segen
für die
Kirche in Namibia“. Natürlich freut mich Anerkennung; aber wenn
ich ein Segen
bin, dann bin ich eine Benedikta – und was sonst sollte sonst eine
Benediktinerin sein? Das
war gesagt mit Hinsicht auf die Gründung von Catholic AIDS Action.
Seit 1998 nimmt
sie sich der Betroffenen der HIV Epidemie an. Leider gehört
Namibia zu den
Spitzenländern der Welt, die von HIV betroffen sind. Ich war
gerade in Katima
Mulilo, wo fast jede zweite Frau infiziert ist. Das tägliche
Sterben ist
schrecklich. Die Zukunft ist Angst und Schrecken. Catholic AIDS Action
hat auch
dort ein Zentrum und nimmt sich der Kranken, Sterbenden, Waisen an.
Aber auch
ein großes Programm läuft mit der Jugend zur
Verhaltensveränderung. Angefangen
habe ich alles im Bewußtsein: das will Gott von der Kirche in
Namibia, durch
dich, jetzt. Und ich hatte nicht einen Pfennig Geld.... Jetzt sind wir
schon
lange das größte Nicht-Regierungsprogramm für HIV/AIDS
in Namibia. Wir arbeiten
mit mehr als 1200 gut ausgebildeten Ehrenamtlichen Mitarbeitern im
ganzen Land.
15000 Waisen sind bei uns registriert. Und ein AIDS Zentrum nach dem
anderen
wird gebaut. Und ich hatte doch geglaubt, als ich 1996 von Tanzania
nach
Namibia kam: „Bauen brauchst du dort nicht mehr!“. Und
im katholischen Gesundheitswesen laufen auch gerade drei große
Bauunternehmen:
umfassende Sanierung von drei kath. Distriktkrankenhäusern. Jedes
Projekt ein
Millionenprojekt. Und irgendwie hat Gott mir geholfen, das Geld von
verschiedenen Organisationen flüssig zu machen. Freilich,
oft weiß ich nicht mehr weiter. Die verschiedensten
äußeren und inneren
Probleme bedrängen mich. Ich weiß von Perioden finsterster
Nacht über lange
Zeit. Kein frommer Spruch kommt mehr an. Aber dann geht es doch wieder
weiter:
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich
fürchten?“
Psalm 27,1. Und
der Psalmvers: „Meine Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde
erschaffen hat“, 124,8, begleitet mich häufig. Ja,
Raphaela, wenn er Himmel und Erde erschaffen hat, dann wird er auch mit
deiner
Situation fertig werden! Vertraue auf ihn heute, morgen und bis in das
hohe
Alter. Sr.
Raphaela Händler OSB |

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Was bedeutet es
für mich Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein? Wenn
ich auf den Beginn meiner Berufung schaue und die über 40 Jahre,
die ich in
dieser Kongregation lebe zurückblicke, kommt mir als erstes – ich
wollte
Missionarin sein aber auch Ordensschwester. Und weiter sehe ich vor mir
ein
gewaltiges Netzwerk. Verbindungen zu Menschen, zu Orten wo ich lebte
und zu
Länder – alles Verbindungen die mir wichtig wurden und sind, und
die mithalfen,
das zu sein was ich heute bin. Doch hinter all diesen Netzverbindungen
sehe ich
das liebende Walten Gottes, der Gott, der mich gerufen hat zu diesem
Lebensweg
und sein HESED* das ich immer wieder
neu erfahren durfte auf meiner Pilgerschaft. Geboren
wurde ich in Dietikon/ZH, Schweiz in der Nähe des
Benedikinterinnen Kloster
Fahr, das ein beliebtes Ausflugsziel bei unseren Familien Sonntags
Spaziergängen war. Es wurde mir im Schweizerischen Missionsjahr
1960 auf einer
Nachtwallfahrt nach Maria Einsiedeln (Benediktiner Abtei und
grösster Schweizer
Wallfahrtsort) ganz klar bewusst, dass Gott mich gerufen hat ihm als
Missionarin zu dienen. Wo und wie wusste ich nicht. Doch eben Menschen,
die
Gottes Werkzeug sind, halfen mir, dass ich unsere kleine Gemeinschaft
von
Missions-Benediktinerinnen in Fribourg kennen lernte und bereits beim
ersten
Kontakt war ich so gewiss, dass dies mein Weg ist. Doch was wusste ich
von den
Missions-Beneditinerinnen von Tutzing? Soviel wie nichts. Es war ein
Schritt
ins Ungewisse, aber vertrauend auf Gott, dem ich mein Leben schenken
wollte.
Bereits als junge Kandidatin und Postulantin hatte ich eine grosse
Sehnsucht
unser Mutterhaus in Tutzing kennenzulernen. Als Novizin durfte mein
Wunsch in
Erfüllung gehen und für 15 Jahre wurde Tutzing und somit
Deutschland meine
Heimat. Diese
15 Jahren waren geprägt von der nachkonziliarischen Zeit mit allen
Aufbrüchen,
Verunsicherungen und Unruhen. Die Hoffnung, eines Tages als Missionarin
in
Afrika zu wirken wurde immer kleiner, da in dieser Zeit wenige
Neueintritte
waren und viele Mitschwestern unsere Gemeinschaft verliessen. So wurde
diese
Zeit wichtig um zu erfahren, dass Missionarin sein nicht nur in fernen
Ländern,
sondern im Hier und Jetzt gelebt werden muss. Auch hier hat das Konzil
eine
ganz neue Sicht aufgezeigt, was Mission und missionarisch sein
bedeutet.
Wichtig war und ist für mich auch, dass missionarisch sein tief
gegründet ist
im monastischen Leben als Benediktinerinnen. Ich möchte sagen es
war eine Zeit
der Identiätsfindung. In Tutzing hatte ich viel Kontakt mit
Schwestern aus der
Mission, die immer wieder aus aller Welt heimkamen um neue Kraft zu
schöpfen. 1980
ging mein grosser Wunsch, den ich mittlerweilen ganz Gott
übergeben haben, nach
Afrika gesandt zu sein unerwartet in Erfüllung. Ich fühlte
mich gesandt der
Ortskirche in Tanzania zu dienen. Zwar war es ein Experiment – Mission
auf
Zeit. Doch Gott wollte es anderst und es
folgten 15 aktive Jahre in Nyangao im Priorat Ndanda, Tanzania. Nyangao
ist
unser ältestes Haus in der ganzen Kongregation. Dass ich am 75.
Todestag
unserer Sr. Walburga Diepolder, die dort im Majimaji Aufstand 1905
ermordert
wurde und ihr Leben Gott schenkte um die Mitbrüder/schwestern zu
rettten, im
Priorat ankam, war ein besonderes Geschenk. In diesen Jahren durfte ich
alle
meine kreativen Gaben nützen im Aufbau der Hospital Apotheke und
später der
Infusions Zubereitungs Abteilung und so den Kranken und Armen dienen.
Das
Einzugsgebiet unseres Hospitals war gross und die Mehrzahl der
Patienten waren
Islamiten. Nebenbei kam mein
tiefbegrabenes Talent als Lehrerin zum Vorschein und ich begann
Religionsunterricht zu erteilen an die Hilfskrankenschwester
Schüler/innen. Es
muss wohl diese Intitiative und Kreativität gewesen sein, die
meine Obern
wahrnahmen und mir zeitweise die Betreuung unserer tanzanischen
Kandidatinnen
anvertrauten. In dieser Zeit und an einem so historischen Platz lebend
erweckte
in mir eine grosse Liebe für die Geschichte unserer Kongregation
und eine tiefe
Bewunderung für das, was unsere Pionierinnen in Ostafrika
geleistet haben.
Überall, wo unsere Missionare/innen wirkten haben sie die
Würde der Menschen
gehoben, haben Schulen und Krankenhäuser errichtet um ganzheitlich
den Menschen
zu helfen. 1990/91
durfte ich zum ersten Mal nach Rom um an dem 4-monatigen Formatorskurs
teilnehmen und so unsere internationale Kongregation positiv erleben.
Diese
zweiten 15 Jahre waren wichtig, da in dieser Zeit im aktiven Einsatz
mir ganz
bewusst wurde, dass ich nicht Missionarin sein kann ohne die Beziehung
zu Gott
täglich durch Lectio Divina zu vertiefen um neue Kraft zu
schöpfen in seinem
Dienst an den Menschen. Denn Missionarin heisst für mich die Liebe
Gottes
weiterzugeben an die Menschen, mit denen ich lebe und arbeite. 1994-95
wurde mir ein Sabbatjahr in den Vereinigten Staaten geschenkt.
Während neun (9)
Monaten erlebte ich eine Verbundenheit von Menschen aus aller Welt
während
meines IRF-Kurses in St. Louis, MI. Es war eine Zeit des Heilens, des
sich
Besinnen auf meine Berufung als Missionsbenediktinerin von Tutzing, des
Lernens
und des Vertiefen. Am
Ende dieser unvergesslichen Zeit kam ein neuer Ruf auf mich zu. Im
Loslassen
meiner eigenen Wünsche, neugestärkt zurückzukehren ins
Ndanda Priorat und beim
Aufbau des Noviziates für unsere tanzanischen Kanditatinnen
mitzuhelfen, sagte
ich mein Ja zu der Führungsaufgaben im Peramiho Priorat, wo ich
seit August
1995 als Priorin tätig bin. Hier
bin ich täglich neu gefordert, das zu leben was ich in meiner
Profess als
Missions-Benediktinerin versprochen habe –Nachfolge Christi in
klösterlicher
Gemeinschaft, Beständigkeit in der Kongreation und Gehorsam. Hier
bedeutet
dieses Gelöbnis für mich vorallem Mittlerin zu sein in der
Übergangszeit
unseres ältesten Priorates von einer mehrheitlichen deutschen zu
einer
internationalen und mehrheitlich tanzanischen Gemeinschaft, und Wege zu
finden
damit jung und alt, Europäerinnen, Asiatinnen und Tanzanianerinnen
zusammenleben können und unsere Berufung leben. Es bedeutet auch
das
missionarische und benediktinische Charisma unserer Kongregation
einzupflanzen
in die tanzanische Kultur und unsere jungen Mitglieder zu guten
Missionsbenediktinerinnen von Tutzing zu erziehen.
Inzwischen
ist mir Tanzania zur Heimat geworden, besonders der Süden wo ich
die meiste
Zeit meines missionsbenediktinischen Lebens verbrachte. Doch bin ich
mir auch
bewusst, dass ich nie Tanzanianerin werden kann, aber auch irgendwie in
der
Heimat Schweiz und Deutschland entwurzelt bin. Missions-Benediktinerin
zu sein
bedeutet für mich unterwegs zu sein zu dem Gott, der mich gerufen,
und diesen
Weg in Treue und Liebe zu gehen, da Sein HESED mitgeht
ganz gleich wohin der Weg führt. So bin ich
eingebettet in das
grosse Netzwerk von Beziehung, aber verwurzelt in der einen grossen
Liebesbeziehung zu dem Gott der gerufen hat ihn zu verkünden, ihm
zu dienen und
ihn zu preisen. „Lobt den Herrn, alle Völker,
preist ihn, alle Nationen! Denn mächtig waltet über uns
seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja!“
(Ps. 117) |
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Warum
ich Missions-Benediktinerin geworden bin? Ja,
so ganz leicht ist es wohl nicht, das auf einen Punkt zu bringen. Ich
lernte die Gemeinschaft kennen, als ich auf der Suche war, wie ich mein
Leben
bewusster aus dem Glauben gestalten könnte. Ich nahm an einem
Angebot „Kloster
auf Zeit“, das in der Osterwoche in Tutzing stattfand, teil. Wir waren einige junge Frauen, die in dieser Woche ganz in der Gemeinschaft mitleben durften. Wir arbeiteten am Vormittag in einem klösterlichen Bereich mit und hatten am Nachmittag Zeit für Gespräche über Regel, Gelübde, Mission etc. Vieles war mir sehr fremd. Manches hat mich fasziniert, anderes mich zum Nachdenken gebracht. Der so klar strukturierte Tag mit den schon fest eingeplanten Gebetszeiten war mir neu, aber ich entdeckte schnell, dass es im Grunde entlastend ist. Wieder
zu Hause wurde mir klar, dass ich, um so konsequent leben zu
können, ganz
sicher eine Gemeinschaft brauche, die diesen Rahmen mitträgt. Später
hat sich dieses Spektrum, wozu Gemeinschaft hilfreich ist, noch sehr
erweitert: Ich
denke heute, dass wir uns gegenseitig helfen auf der Spur des Glaubens
zu
bleiben – durch gemeinsames Suchen, Denken Reden und Beten, durch
Anfragen,
Herausforderungen, oder auch im täglichen sich reiben und
auseinander setzten
mit den Stärken und Schwächen der verschiedenen Mitschwestern. Was
mich auch von Anfang an begeistert hat, ist das gesungene Chorgebet. Diese
alten, biblischen Texte immer und immer wieder zu beten und zu singen,
tut mir
gut. Ich kann mich in eine uralte Gebetstradition einhängen,
entdecke in den
Texten eigene Erfahrungen oder kann stellvertretend für andere
Situationen vor
Gott bringen. Und dass im Tagesablauf auch bedacht ist, dass das
gemeinschaftliche Gebet immer auch eine Ergänzung durch das ganz
persönliche
Gebet braucht, ist für mich einfach realistisch und „bodennah“,
denn im Grund
geht es ja darum die eigene persönliche Christusbeziehung zu
gestalten und
leben zu lernen. Das hatte ich mir im Vorfeld klarer und einfacher
vorgestellt.... Ich
erlebe sie heute als etwas sehr schönes und immer wieder lockend
und
herausfordernd. Eine
Faszination die von Anfang an war und im Laufe des Klosterlebens sehr
gewachsen
ist, ist die Freude an unserer Internationalität. Ich
sehe in ihr eine große Chance und Herausforderung, lebendige
Gemeinschaft zu
sein und es immer mehr zu werden. Ich glaube, dass wir uns gegenseitig
sehr
bereichern können, wenn wir wirklich lernen, unser Leben und
unseren Glauben zu
teilen und davon weiterzugeben. |

![]() Ich
bin von Herzen froh,
Missions-Benediktinerin von Tutzing
zu sein, zu dieser großen internationalen Familie zu
gehören. Die Liebe zu
Afrika und zur Medizin gab es schon vor dem Eintritt, nachdem ich als
Medizinstudentin
drei Monate in
einem tansanischen Hospital verbrachte. Dazu kam die Suche nach
... nach dem, was die Seele sattmachen könnte, zur Ruhe bringen
könnte. Ich
fand die internationale Gemeinschaft der Missions-Benediktinerinnen von
Tutzing, eine Gemeinschaft von Gott-Sucherinnen. In dem Rhythmus von
Gebet und
Arbeit, von Gesang und Zugehen auf Menschen in Not fand ich etwas, was
meine
Seele ansprach, zum Klingen brachte.......
Ich war viel unterwegs seit meinem Eintritt: an verschiedenen Orten Deutschlands zur chirurgischen Facharztausbildung und seit 2001 in meinem „Traumland“ Tansania. Hier darf ich nach Herzenslust operieren und als Missions-Benediktinerin in einer internationalen Gemeinschaft leben. Bin ich nun am Ziel meiner Träume angekommen? Ja und Nein! Ja, ich bin froh, nach einer langen Ausbildung hier zu sein, mich nun ganz hier einsetzen zu können. Nein, weil ich nur wieder neu auf den Weg gesetzt bin, neu suchen muss , was Herausforderungen für mich heißen, wo ich an eigene Grenzen gerate und vielleicht zur Grenzerweiterung eingeladen bin, zur Kurskorrektur, wo ich gegen die Wand laufe. Und ich merke neu, dass mir Gemeinschaft wichtig ist, zusammen beten und unterwegs sein, sich nicht ganz in der Arbeit zu verlieren, sondern sich gegenseitig erinnern, mit welcher Prämisse wir angetreten sind: Nachfolge Christi in klösterlicher Gemeinschaft.......... Was bedeutet es für mich, Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein: - gemeinsam Gott zu suchen und zu finden in der Mitschwester, dem Kranken, .... - unterwegs zu sein, sich nicht einzurichten und bequem zu machen - zu bleiben, in IHM, in Gemeinschaft, in dem, was ich gelobt habe vor Gott und der versammelten Gemeinde - zu hören, wahrzunehmen, was geschieht um mich und in der Welt und Antworten zu versuchen. Ut in omnibus glorificetur DEUS - damit Gottes Liebe aufleuchtet in unserer Welt. |

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