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Warum ich Missions-Benediktinerin bin

  Aus Anlass unseres 100-jährigen Jubiläums haben einige Schwestern erzählt,
weshalb sie Missions-Benediktinerin sind:

Sr. Ursula Worringen
Sr. Timotea Kronschnabl
Sr. Raphaela Händler
Sr. Pia Portmann
Sr. Renate Basler
Sr. Regina Tesch



Sr. Ursula Worringen



Sr. Ursula Worringen

Was bedeutet es für mich- Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein: 

Im Versuch, diese Frage zu beantworten, stieg in mir eine Vor-Frage auf: Was bedeutet für mich die Zeit, in der ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Der Ruf Gottes ergeht ja an uns in einer bestimmten Zeit, an einem konkreten Ort, in den Wellen von geistlichen und politischen Strömungen und unter einflussreichen Persönlichkeiten.

Von Kind an war ich vom Missionspapst Pius XI beeindruckt. In der Pfarr- und Schulbibliothek las ich alle nur erreichbaren Bücher über Missionserlebnisse. Ein anderer Faktor war die Nähe zu Steyl mit seinen Schriften. Jeden Monat erwartete ich gespannt den „Jesusknaben“ und später die „Stadt Gottes“. Im nahen Knechtsteden beeindruckten mich die Begegnungen mit den dortigen Missionaren und das Missionsmuseum, sowie die Kolonialausstellungen in der Kölner Messehalle. So träumte ich von Afrika als „meinem“ Missionsland.

Das Leben in der Pfarrei war von der liturgischen Bewegung geprägt. Sonntags hielten wir die Kloster Neuburger Messtexte in der Hand und das lateinische Vesperbüchlein und werktags den Messschott. Das Hochamt am Sonntag und die 8 Uhr-Messe am Werktag wurden im gregorianischen Choral gesungen, den wir auch in der Schule, bis in die Oberstufe, lernten. Bei einem Besuch mit der Abiturklasse in Maria Laach erlebte ich dort die feierliche Liturgie am Fest Mariä Heimsuchung. Abt Ildefons Herwegen widmete uns mehrere Stunden. Er eröffnete uns den Blick – und mit das Herz – für die benediktinische Spiritualität.

Auf der Suche nach einer Missionskongregation machte ich Exerzitien in Steyl, vermisste dort aber die Liturgie. Von meiner Lehrerin an Tutzing verwiesen, weil dort eine frühere Schülerin, unsere Sr. Sigwina Seul, eingetreten sei, erlebte ich bei meinem Besuch im Mutterhaus die Professfeier, die hl. Messe und das göttliche Offizium. Endlich hatte ich den Zusammenklang beider Elemente – Mission und Liturgie – gefunden. Und ich entschloss mich für die Missions-Benediktinerinnen von Tutzing.

Im Noviziat lernte ich die Regel St. Benedikts kennen und lieben, „die schönste Regel“, wie meine Lehrerin gesagt hatte. Und ich kann ihr nur zustimmen. Im Leben habe ich immer mehr die Weite und Tiefe, die Christus- und Lebensnähe der hl. Regel erfahren.

Obwohl ich nur gut ein Jahr in Tutzing verbrachte, habe ich das Herz-Jesu-Kloster als unser Mutterhaus erlebt durch die Liebe und das Verständnis meiner Obern, vor allem meiner Magistra Sr. Gertraud Gantert und die feinfühlende Hilfestellung unserer Zelatrix Sr. Ingberta Schön, die mir dem Kind einer Kleinfamilie, die Eingliederung in die große Noviziats- und Konventgemeinschaft ermöglichten. Der Abschied von Tutzing – damals für immer – was schwer. Wie groß war dei Freude, nach 21 Jahren wieder die Stufen zur Klosterpforte ersteigen und liebe Mitschwestern umarmen zu können. Bei jedem Heimaturlaub erlebte ich wieder neu die Atmosphäre in der Klausur, um Klostergarten mit der Herz-Jesu-Statue, in der Maria-Hilf-Kapelle – meinem Lieblingsort seit der Kandidatur – und am See. Ob mich die Maria-Hilf-Kapelle so anzog, weil dort unsere Tutzinger Wurzeln liegen, die sich hinabsenken bis St. Ottilien und Reichenbach? So erkläre ich es mir im Nachhinein, denn unsere ausführliche Geschichte haben wir ja erst seit den 70er Jahren ausführlicher erforscht und schätzen gelernt.

Hier im Priorat Olinda erlebte ich noch einige Schwestern, die uns lebhaft und anschaulich von ihrem Leben in St. Ottilien und den Anfängen in Tutzing erzählten. Die ersten kamen 1903 in die Olindamission mit der Bestimmung für die Indianermission am Rio Branco, Amazonasgebiet. In der Auseinandersetzung mit den Benediktinern im Jahre 1904, die sie der brasilianischen Benediktinerkongregation als kontemplative Nonnen eingliedern wollten, hielten sie unter Opfern an ihrer Identität fest: Sie bleiben Missions-Benediktinerinnen von Tutzing. Und diese Liebe zu unserer Identität haben sie an uns weitergegeben.

 

„Missions-Benediktinerin von Tutzing sein“ bedeutet für mich heute:

  • zu dieser internationalen Kongregation gehören, deren Missionsland die fünf Kontinente sind, wo wir unseren Dienst an der Evangelisation mit unseren Schwestern verschiedener Nationalitäten ausüben. Diese Verschiedenartigkeit bereichert uns im täglichen Zusammenleben und formt an uns, wie ich es in 63 Missionsjahren erfahren durfte. Wenn die preußische Genauigkeit und Pflichttreue sich mit der brasilianischen Flexibilität und Menschlichkeit verbindet, kommen wir dem Ideal St. Benedikts und des Evangeliums näher.
  • zu einer klösterlichen Gemeinschaft gehören, deren Mittelpunkt der Altar ist, von dem alles Handeln ausgeht, sei es innerhalb des Hauses oder im Missionseinsatz draußen.
  • Gemeinschaft, die sich um den Altar zum Gotteslob und zur Eucharistiefeier versammelt. Gemeinschaft, die mir im Verlauf des Tages Zeit und Stille für Lectio Divina und die Begegnung mit Christus schenkt.
  • Gemeinschaft von Schwestern, die gemeinsam den Gotte der Liebe suchen mit allem Idealismus, aber auch mit allen ihren Schwächen, in ehrlicher Liebe und gegenseitigem Verzeihen.
  • Gemeinschaft von Missions-Benediktinerinnen, die zu jedwedem Einsatz bereit sind, wo der Herr des Weinberges sie braucht. Wir haben ja die Stabilität in der Kongregation versprochen. Das konnte ich konkret erfahren: Postulatsbeginn in Tutzing, Einkleidung in Olpe – auf dem unterbrochenen Weg in die Mission - , erste Profess in Olinda, Ewige Profess in Recife, silbernes Jubiläum in Caruaru, Goldprofess in Rom – im Herzen der Kongregation – und Diamantene Profess in Salvador, Bahia.
Überall war für mich die schule mit ihrem Umfeld mein „Missionsgebiet“: Gymnasium, Oberstufe, Ausbildung von Volksschullehrerinnen und unsere Fakultät. Vor allem war es mir eine Freude von Anfang an Religionsunterricht zu erteilen und diesen in Besinnungsstunden und –tagen zu vertiefen. Aber ich wollte auch das Wort Gottes gemeinsam mit meinem Schülern an andere weitergeben. So organisierte ich mit den Jugendlichen Wochenendtreffen, zu denen sie verwandte und befreundete junge Leute mitbrachten und ebenfalls Einsätze in Favelas und bei den Heimatlosen, die auf der Straße wohnen.
In den Laien die Verantwortung für das Reich Gottes wecken und fördern und ihnen beim Überlegen und Organisieren helfen, betrachtete ich als meine Aufgabe.

So kann die Missions-Benediktinerin versetzt werden, aber das begonnene Werk geht weiter als Frucht der Subsidiarität, wie Benedikt diese für seine Gemeinschaft vorschreibt. Als Beispiel diene das Projekt Sr. Ilduara in Barbalha, Ceará, wo seit 13 Jahren, unter der Leitung von Laien, gefährdete Kinder und Jugendliche in einem Tagesheim handwerkliche Arbeiten erlernen, ihre Schuhlaufgaben machen können, eine kräftige Nahrung erhalten und zur aktiven Teilnahem am Leben der Pfarrei in Liturgie und Katechese angeleitet werden,. Aus diesem von Kindermissionswerk unterstützten Projekt sind schon mehrere Ordens- und Priesterberufe hervorgegangen.

Für mich ist die Missions-Benediktinerin von Tutzing auch eine Ordensfrau, die den Geist St. Benedikts in sich aufnimmt. Die Regelkurse von Sr. Aquinata und P. Adalbert de Vogüé brachten immer eine Vertiefung und Bereicherung; ebenso die Treffen auf brasilianischer und lateinamerikanischer Ebene, mit Benediktinerin verschiedenster Herkunft. Immer wurde die Teilnahme und das aktive Mitwirken von mehreren unserer Schwestern aus Olinda gerne gesehen. Ich selbst konnte RB Studienwochen und Exerzitien bei Mönchen und Benediktinerinnen von Amazonas bis hinab nach Süd und Zentralbrasilien halten.

Eine andere Möglichkeit als Missions-Benediktinerin zu wirken ist die Begleitung von Laien in geistlichen Bewegungen. Mit ihnen verstehen, was das Echte, das vom Hl. Geist in unserer Zeit zum Aufbau des Reiches Gottes inspiriert ist, und es mit Mut, Treue und Discretio zu leben, betrachte ich auch als eine wichtige Aufgabe heute in Brasilien, da die Brasilianer ein von natur aus religiöses und zur Mystik geneigtes Volk sind. Nicht selten treffen wir Gruppen von Laien, die um des Reiches Gottes willen Beruf und Besitz verlassen, in Gemeinschaft und Armut leben, fren vom Getriebe der Stadt. Dort widmen sie sich dem Gebet, dem Studium der Hl. Schrift, der Handarbeit und Evangelisation der verstreut wohnenden Landbevölkerung. Einer dieser Gruppen durfte ich die Regel St. Benedikts erschließen.

Unsere Pionierinnen in Olinda hatten es sich ausdrücklich zur Aufgabe gemacht, sich den Armen, vor allem den Kindern und schwarzen zu widmen. Vorliebe St. Benedikts für die Armen und schwachen. Sie bleibt auch heute für uns Missions-Benediktinerinnen in Brasilien eine Herausforderung: Ihnen helfen, Gemeinschaften zu bilden, ihnen „die Angel zu reichen, damit sie fischen können“ und mit einander teilen, dass sie sich mit einander bessere Lebensbedingungen schaffen.

Zum Schluss möchte ich noch an St. Gregors des Grossen Dialoge II, cap XXXI erinnern: St. Benedikt sitzt am Tor des Klosters, das Wort Gottes lesen. Von der Bibel gleiten seine Blicke auf die gefesselten Hände des verfolgten, armen Bauern. Die Fesseln lösen sich. ER fährt fort mit seiner Lesung und lässt dem grausamen Verfolger Zala geweihtes Brot reichen. Gewiss eine Symbol für alles soziale Arbeit der Tutzinger Missions-Benediktinerinnen.

Unvergesslich bleibt mir das Wort meiner Magistra: „Die Missionarin muss ein leichtes Köfferchen haben“. Das kann sie zu jeder Zeit in die Hand nehmen, um im Gehorsam dem Ruf Gottes zu folgen, alles hinter sich lassend, und im Vertrauen auf Gott sich froh und ganz dort einsetzen, wo eine neue Aufgabe auf sie wartet.

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Sr. Timotea Kronschnabl


Über 40 Jahre sind es her, dass ich in Tutzing eingetreten bin und bald feiere ich 40 Jahre Profess. Da ist die Frage: was bedeutet es für mich, Missions-Benediktinerin zu sein wie die Frage an den Fisch: Was bedeutet das Wasser für Dich?

Als ich etwas nachdachte, bemerkte ich, dass die Antwort auf diese Frage je nach Lebensfase etwas anders ist. Natürlich will ich nicht alle diese Fasen beschreiben, doch der Anfang scheint mir wichtig zu sein.

Als ich nach einem Kloster suchte, sah ich Tutzing eine Möglichkeit das zu leben, was seit meiner Kindertage in mir war: In meinem kleinen niederbayrischen Dorf träumte ich von der weiten Welt und von fremden Menschen. Ich wollte nützlich sein, helfen, für andere da sein. Dazu regte sich in mir mehr und mehr ganz unwiderstehlich die Frage nach Gott. Das Elternhaus hatte in mir feste religiöse Grundfeste gelegt. In der Jugendgruppe begeisterte ich mich für Bibel und Liturgie. Die Schule half mit, mich für das benediktinische Leben zu interessieren.

Seit meiner Entscheidung für Tutzing sind nun schon 40 Jahre vergangen, wie ich anfangs schon erwähnte. Was heißt es heute für mich Missions-Benediktinerin zu sein?

Seit 40 Jahren ist meine Kongregation meine Familie, in der ich lebe, in der ich herangewachsen bin, die mich reich beschenkt hat und der ich mit Freuden diene. Diese Familie hat mir geholfen, dass die Welt mir Heimat wurde und dass ich zwar das Menschsein in einer konkreten Kultur und in einem konkreten Volk lebe, doch darüber hinaus ich mich immer mehr der ganzen Menschheit verbunden und verpflichtet weiß.

Als Benediktinerin bin ich in einer alten Tradition verwurzelt, die mir Halt gibt, die aber auch offen ist für das „Hier und Jetzt“.

Als Missions-Benediktinerin bewundere ich unsere Geschichte, die mich lehrt, was es heißt, an Gottes Fügung und Vorsorge zu glauben. Ich weiß mich der Kirche, konkret der Ortskirche verpflichtet. Ich freue mich an ihr und leide manchmal an ihr. Als missionarische Gemeinschaft sind wir Teil der Ortskirche und haben in ihr einen besonderen Auftrag: mithelfen und immer wieder aufzeigen, dass die Kirche universale Dimensionen hat und Reich Gottes aufleuchten lassen soll.

Immer schon war es für mich wichtig, in Gemeinschaft zu leben. In der Gemeinschaft finde ich Halt und Hilfe, hier lerne ich lieben und erziehe mich. Hier bin ich Schwester und entfalte meine Frausein. Als Gemeinschaft geben wir Zeugnis. Als Gemeinschaft beten wir. Doch in einer Welt die voller Konflikte ist, die den Krieg als Lösung von Problemen wählt, die nicht hören kann auf die Schreie der Armen hat für mich das Gemeinschaftsleben eine neue Dimension bekommen. Heute weiß ich mich besonders verpflichtet als Gemeinschaft und in meiner Gemeinschaft eine lebendige Zelle des Friedens zu sein.

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Sr. Raphaela Händler


In der letzten Woche fuhr ich auf einer Schotterstraße im Norden Namibias, ungefähr 1000 km entfernt von der Hauptstadt Windhoek. Rechts schaute ich über den Grenzfluß Kavango in die Weite Angolas bei glühender Hitze, links kam plötzlich das Motto einer Schule in Sicht: Pray and work hard.

Ja, dachte ich, das ist es auch für mich als Missions-Benediktinerin, was mein Leben täglich bestimmt: beides zugleich, täglich, mit Engagement und dem ganzen Herzen: Gebet und Arbeit, ora et labora.

Und dann mein weiteres Lebensprogramm. Es wurde mir vor 40 Jahren mit meinem Ordensnamen in Bernried gegeben: Rapha-el. Das heißt: Gott heilt. Immer mehr ging mir auf, daß Gott zuerst mich heilen muß und dann durch mich andere heilen möchte. Und das Heilen wurde immer umfassender verstanden.

Meine Vision war: Ärztin für Afrika. Und nach Suchen hier und dort führte mich Gott, diesen Traum als Mitglied unserer Kongregation zu verwirklichen. Ein reiches Leben. Wenn ich zurückschaue, dann wundere ich mich dankbar, wie viel geschehen konnte durch mich, im Leben von Tausenden von Menschen. Ich selber bin doch so simpel, und nicht besonders talentiert, schon gar nicht als Führernatur aufgewachsen. Wie konnte all das geschehen? Sicherlich ganz wesentlich durch die Verwurzelung in unserer benediktinischen Spiritualität. „ Der Samen keimt und wächst, und der Bauer weiß nicht wie.“ Mk 4,27

Kürzlich sagte mir eine kirchliche Persönlichkeit hier: „Sie sind ein Segen für die Kirche in Namibia“. Natürlich freut mich Anerkennung; aber wenn ich ein Segen bin, dann bin ich eine Benedikta – und was sonst sollte sonst eine Benediktinerin sein?

Das war gesagt mit Hinsicht auf die Gründung von Catholic AIDS Action. Seit 1998 nimmt sie sich der Betroffenen der HIV Epidemie an. Leider gehört Namibia zu den Spitzenländern der Welt, die von HIV betroffen sind. Ich war gerade in Katima Mulilo, wo fast jede zweite Frau infiziert ist. Das tägliche Sterben ist schrecklich. Die Zukunft ist Angst und Schrecken. Catholic AIDS Action hat auch dort ein Zentrum und nimmt sich der Kranken, Sterbenden, Waisen an. Aber auch ein großes Programm läuft mit der Jugend zur Verhaltensveränderung. Angefangen habe ich alles im Bewußtsein: das will Gott von der Kirche in Namibia, durch dich, jetzt. Und ich hatte nicht einen Pfennig Geld.... Jetzt sind wir schon lange das größte Nicht-Regierungsprogramm für HIV/AIDS in Namibia. Wir arbeiten mit mehr als 1200 gut ausgebildeten Ehrenamtlichen Mitarbeitern im ganzen Land. 15000 Waisen sind bei uns registriert. Und ein AIDS Zentrum nach dem anderen wird gebaut. Und ich hatte doch geglaubt, als ich 1996 von Tanzania nach Namibia kam: „Bauen brauchst du dort nicht mehr!“.

Und im katholischen Gesundheitswesen laufen auch gerade drei große Bauunternehmen: umfassende Sanierung von drei kath. Distriktkrankenhäusern. Jedes Projekt ein Millionenprojekt. Und irgendwie hat Gott mir geholfen, das Geld von verschiedenen Organisationen flüssig zu machen.

Freilich, oft weiß ich nicht mehr weiter. Die verschiedensten äußeren und inneren Probleme bedrängen mich. Ich weiß von Perioden finsterster Nacht über lange Zeit. Kein frommer Spruch kommt mehr an. Aber dann geht es doch wieder weiter: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“ Psalm 27,1.

Und der Psalmvers: „Meine Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“, 124,8, begleitet mich häufig.

Ja, Raphaela, wenn er Himmel und Erde erschaffen hat, dann wird er auch mit deiner Situation fertig werden! Vertraue auf ihn heute, morgen und bis in das hohe Alter.

Sr. Raphaela Händler OSB

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Sr. Pia Portmann


Was bedeutet es für mich Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein?
 

Wenn ich auf den Beginn meiner Berufung schaue und die über 40 Jahre, die ich in dieser Kongregation lebe zurückblicke, kommt mir als erstes – ich wollte Missionarin sein aber auch Ordensschwester. Und weiter sehe ich vor mir ein gewaltiges Netzwerk. Verbindungen zu Menschen, zu Orten wo ich lebte und zu Länder – alles Verbindungen die mir wichtig wurden und sind, und die mithalfen, das zu sein was ich heute bin. Doch hinter all diesen Netzverbindungen sehe ich das liebende Walten Gottes, der Gott, der mich gerufen hat zu diesem Lebensweg und sein HESED* das ich immer wieder neu erfahren durfte auf meiner Pilgerschaft.

Geboren wurde ich in Dietikon/ZH, Schweiz in der Nähe des Benedikinterinnen Kloster Fahr, das ein beliebtes Ausflugsziel bei unseren Familien Sonntags Spaziergängen war. Es wurde mir im Schweizerischen Missionsjahr 1960 auf einer Nachtwallfahrt nach Maria Einsiedeln (Benediktiner Abtei und grösster Schweizer Wallfahrtsort) ganz klar bewusst, dass Gott mich gerufen hat ihm als Missionarin zu dienen. Wo und wie wusste ich nicht. Doch eben Menschen, die Gottes Werkzeug sind, halfen mir, dass ich unsere kleine Gemeinschaft von Missions-Benediktinerinnen in Fribourg kennen lernte und bereits beim ersten Kontakt war ich so gewiss, dass dies mein Weg ist. Doch was wusste ich von den Missions-Beneditinerinnen von Tutzing? Soviel wie nichts. Es war ein Schritt ins Ungewisse, aber vertrauend auf Gott, dem ich mein Leben schenken wollte. Bereits als junge Kandidatin und Postulantin hatte ich eine grosse Sehnsucht unser Mutterhaus in Tutzing kennenzulernen. Als Novizin durfte mein Wunsch in Erfüllung gehen und für 15 Jahre wurde Tutzing und somit Deutschland meine Heimat.

Diese 15 Jahren waren geprägt von der nachkonziliarischen Zeit mit allen Aufbrüchen, Verunsicherungen und Unruhen. Die Hoffnung, eines Tages als Missionarin in Afrika zu wirken wurde immer kleiner, da in dieser Zeit wenige Neueintritte waren und viele Mitschwestern unsere Gemeinschaft verliessen. So wurde diese Zeit wichtig um zu erfahren, dass Missionarin sein nicht nur in fernen Ländern, sondern im Hier und Jetzt gelebt werden muss. Auch hier hat das Konzil eine ganz neue Sicht aufgezeigt, was Mission und missionarisch sein bedeutet. Wichtig war und ist für mich auch, dass missionarisch sein tief gegründet ist im monastischen Leben als Benediktinerinnen. Ich möchte sagen es war eine Zeit der Identiätsfindung. In Tutzing hatte ich viel Kontakt mit Schwestern aus der Mission, die immer wieder aus aller Welt heimkamen um neue Kraft zu schöpfen.

1980 ging mein grosser Wunsch, den ich mittlerweilen ganz Gott übergeben haben, nach Afrika gesandt zu sein unerwartet in Erfüllung. Ich fühlte mich gesandt der Ortskirche in Tanzania zu dienen. Zwar war es ein Experiment – Mission auf Zeit. Doch Gott wollte es anderst und  es folgten 15 aktive Jahre in Nyangao im Priorat Ndanda, Tanzania. Nyangao ist unser ältestes Haus in der ganzen Kongregation. Dass ich am 75. Todestag unserer Sr. Walburga Diepolder, die dort im Majimaji Aufstand 1905 ermordert wurde und ihr Leben Gott schenkte um die Mitbrüder/schwestern zu rettten, im Priorat ankam, war ein besonderes Geschenk. In diesen Jahren durfte ich alle meine kreativen Gaben nützen im Aufbau der Hospital Apotheke und später der Infusions Zubereitungs Abteilung und so den Kranken und Armen dienen. Das Einzugsgebiet unseres Hospitals war gross und die Mehrzahl der Patienten waren Islamiten.  Nebenbei kam mein tiefbegrabenes Talent als Lehrerin zum Vorschein und ich begann Religionsunterricht zu erteilen an die Hilfskrankenschwester Schüler/innen. Es muss wohl diese Intitiative und Kreativität gewesen sein, die meine Obern wahrnahmen und mir zeitweise die Betreuung unserer tanzanischen Kandidatinnen anvertrauten. In dieser Zeit und an einem so historischen Platz lebend erweckte in mir eine grosse Liebe für die Geschichte unserer Kongregation und eine tiefe Bewunderung für das, was unsere Pionierinnen in Ostafrika geleistet haben. Überall, wo unsere Missionare/innen wirkten haben sie die Würde der Menschen gehoben, haben Schulen und Krankenhäuser errichtet um ganzheitlich den Menschen zu helfen.

1990/91 durfte ich zum ersten Mal nach Rom um an dem 4-monatigen Formatorskurs teilnehmen und so unsere internationale Kongregation positiv erleben. Diese zweiten 15 Jahre waren wichtig, da in dieser Zeit im aktiven Einsatz mir ganz bewusst wurde, dass ich nicht Missionarin sein kann ohne die Beziehung zu Gott täglich durch Lectio Divina zu vertiefen um neue Kraft zu schöpfen in seinem Dienst an den Menschen. Denn Missionarin heisst für mich die Liebe Gottes weiterzugeben an die Menschen, mit denen ich lebe und arbeite.

1994-95 wurde mir ein Sabbatjahr in den Vereinigten Staaten geschenkt. Während neun (9) Monaten erlebte ich eine Verbundenheit von Menschen aus aller Welt während meines IRF-Kurses in St. Louis, MI. Es war eine Zeit des Heilens, des sich Besinnen auf meine Berufung als Missionsbenediktinerin von Tutzing, des Lernens und des Vertiefen.

Am Ende dieser unvergesslichen Zeit kam ein neuer Ruf auf mich zu. Im Loslassen meiner eigenen Wünsche, neugestärkt zurückzukehren ins Ndanda Priorat und beim Aufbau des Noviziates für unsere tanzanischen Kanditatinnen mitzuhelfen, sagte ich mein Ja zu der Führungsaufgaben im Peramiho Priorat, wo ich seit August 1995 als Priorin tätig bin.

Hier bin ich täglich neu gefordert, das zu leben was ich in meiner Profess als Missions-Benediktinerin versprochen habe –Nachfolge Christi in klösterlicher Gemeinschaft, Beständigkeit in der Kongreation und Gehorsam. Hier bedeutet dieses Gelöbnis für mich vorallem Mittlerin zu sein in der Übergangszeit unseres ältesten Priorates von einer mehrheitlichen deutschen zu einer internationalen und mehrheitlich tanzanischen Gemeinschaft, und Wege zu finden damit jung und alt, Europäerinnen, Asiatinnen und Tanzanianerinnen zusammenleben können und unsere Berufung leben. Es bedeutet auch das missionarische und benediktinische Charisma unserer Kongregation einzupflanzen in die tanzanische Kultur und unsere jungen Mitglieder zu guten Missionsbenediktinerinnen von Tutzing zu erziehen. 

Inzwischen ist mir Tanzania zur Heimat geworden, besonders der Süden wo ich die meiste Zeit meines missionsbenediktinischen Lebens verbrachte. Doch bin ich mir auch bewusst, dass ich nie Tanzanianerin werden kann, aber auch irgendwie in der Heimat Schweiz und Deutschland entwurzelt bin. Missions-Benediktinerin zu sein bedeutet für mich unterwegs zu sein zu dem Gott, der mich gerufen, und diesen Weg in Treue und Liebe zu gehen, da Sein HESED mitgeht ganz gleich wohin der Weg führt. So bin ich eingebettet in das grosse Netzwerk von Beziehung, aber verwurzelt in der einen grossen Liebesbeziehung zu dem Gott der gerufen hat ihn zu verkünden, ihm zu dienen und ihn zu preisen.

„Lobt den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen!

Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja!“ (Ps. 117)

*Hesed oder chesed ist das hebr. Wort in der Bibel für die Liebe, Zuneigung und Bundestreue Gottes

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Sr. Renate Basler


Warum ich Missions-Benediktinerin geworden bin?

Ja, so ganz leicht ist es wohl nicht, das auf einen Punkt zu bringen.

Ich lernte die Gemeinschaft kennen, als ich auf der Suche war, wie ich mein Leben bewusster aus dem Glauben gestalten könnte. Ich nahm an einem Angebot „Kloster auf Zeit“, das in der Osterwoche in Tutzing stattfand, teil.

Wir waren einige junge Frauen, die in dieser Woche ganz in der Gemeinschaft mitleben durften. Wir arbeiteten am Vormittag in einem klösterlichen Bereich mit und hatten am Nachmittag Zeit für Gespräche über Regel, Gelübde, Mission etc. Vieles war mir sehr fremd. Manches hat mich fasziniert, anderes mich zum Nachdenken gebracht. Der so klar strukturierte Tag mit den schon fest eingeplanten Gebetszeiten war mir neu, aber ich entdeckte schnell, dass es im Grunde entlastend ist.

Wieder zu Hause wurde mir klar, dass ich, um so konsequent leben zu können, ganz sicher eine Gemeinschaft brauche, die diesen Rahmen mitträgt.

Später hat sich dieses Spektrum, wozu Gemeinschaft hilfreich ist, noch sehr erweitert:

Ich denke heute, dass wir uns gegenseitig helfen auf der Spur des Glaubens zu bleiben – durch gemeinsames Suchen, Denken Reden und Beten, durch Anfragen, Herausforderungen, oder auch im täglichen sich reiben und auseinander setzten mit den Stärken und Schwächen der verschiedenen Mitschwestern.

Was mich auch von Anfang an begeistert hat, ist das gesungene Chorgebet.

Diese alten, biblischen Texte immer und immer wieder zu beten und zu singen, tut mir gut. Ich kann mich in eine uralte Gebetstradition einhängen, entdecke in den Texten eigene Erfahrungen oder kann stellvertretend für andere Situationen vor Gott bringen. Und dass im Tagesablauf auch bedacht ist, dass das gemeinschaftliche Gebet immer auch eine Ergänzung durch das ganz persönliche Gebet braucht, ist für mich einfach realistisch und „bodennah“, denn im Grund geht es ja darum die eigene persönliche Christusbeziehung zu gestalten und leben zu lernen. Das hatte ich mir im Vorfeld klarer und einfacher vorgestellt....

Ich erlebe sie heute als etwas sehr schönes und immer wieder lockend und herausfordernd.

Eine Faszination die von Anfang an war und im Laufe des Klosterlebens sehr gewachsen ist, ist die Freude an unserer Internationalität.

Ich sehe in ihr eine große Chance und Herausforderung, lebendige Gemeinschaft zu sein und es immer mehr zu werden. Ich glaube, dass wir uns gegenseitig sehr bereichern können, wenn wir wirklich lernen, unser Leben und unseren Glauben zu teilen und davon weiterzugeben.


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Sr. Regina Tesch



Ich bin von Herzen froh, Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein, zu dieser großen internationalen Familie zu gehören. Die Liebe zu Afrika und zur Medizin gab es schon vor dem Eintritt, nachdem ich als Medizinstudentin drei Monate in einem tansanischen Hospital verbrachte. Dazu kam die Suche nach ... nach dem, was die Seele sattmachen könnte, zur Ruhe bringen könnte. Ich fand die internationale Gemeinschaft der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing, eine Gemeinschaft von Gott-Sucherinnen. In dem Rhythmus von Gebet und Arbeit, von Gesang und Zugehen auf Menschen in Not fand ich etwas, was meine Seele ansprach, zum Klingen brachte.......
Ich war viel unterwegs seit meinem Eintritt: an verschiedenen Orten Deutschlands zur chirurgischen Facharztausbildung und seit 2001 in meinem „Traumland“ Tansania. Hier darf ich nach Herzenslust operieren und als Missions-Benediktinerin in einer internationalen Gemeinschaft leben.
Bin ich nun am Ziel meiner Träume angekommen? Ja und Nein!
Ja, ich bin froh, nach einer langen Ausbildung hier zu sein, mich nun ganz hier einsetzen zu können.
Nein, weil ich nur wieder neu auf den Weg gesetzt bin, neu suchen muss , was Herausforderungen für  mich heißen, wo ich an eigene Grenzen gerate und vielleicht zur Grenzerweiterung eingeladen bin, zur Kurskorrektur, wo ich gegen die Wand laufe.
Und ich merke neu, dass mir Gemeinschaft wichtig ist, zusammen beten und unterwegs sein, sich nicht ganz in der Arbeit zu verlieren, sondern sich gegenseitig erinnern, mit welcher Prämisse wir angetreten sind: Nachfolge Christi in klösterlicher Gemeinschaft..........
Was bedeutet es für mich, Missions-Benediktinerin von Tutzing zu sein:
-          gemeinsam Gott zu suchen und zu finden in der Mitschwester, dem Kranken, ....
-          unterwegs zu sein, sich nicht einzurichten und bequem zu machen
-          zu bleiben, in IHM, in Gemeinschaft, in dem, was ich gelobt habe vor Gott und der
         versammelten Gemeinde
-          zu hören, wahrzunehmen, was geschieht um mich und in der Welt und Antworten
        zu versuchen.
 
Ut in omnibus glorificetur DEUS
-          damit Gottes Liebe aufleuchtet in unserer Welt.


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